Suche

Blockbuster Sound (Interview)

In den letzten Tagen hatte ich Kontakt zu Blockbuster Sound aus Dortmund. Im Interview erfahrt ihr alles über den Sound und die kreativen Projekte der Jungs.

Ihr habt viele Projekte am Start. Aber angefangen hat es so weit ich weiß mit Blockbuster Sound. Aus welchen Gründen habt ihr euch damals dazu entschieden einen eigenen Sound zu gründen?


Wir waren damals, als wir noch jünger, verrückter und gutaussehender waren, schon in div. Onlineradios aktiv, haben Partys im Freundeskreis gespielt und auf der BunDem Party als Gäste den Club zum brennen gebracht. Dadurch kam der damalige Betreiber auf uns zu, ob wir nicht auf der Party an den Plattentellern stehen wollen. Dann folgten die ersten Dubplates und wir waren von der Soundsystemkultur angefixt, deshalb wurde Blockbuster Sound gegründet. Die Idee war schon immer unser eigenes Ding zu machen, sich dabei aber auch mit möglichst vielen coolen Leuten aus den verschiedensten Bereichen zu verbinden um Kräfte zu bündeln. Mit der Zeit ist das Ganze dann gewachsen, ein paar Mitglieder kamen und gingen, so dass wir heute bei der bekannten Formation aus den Selectern Kärr, Washi und Tschäck plus Flag als MC angekommen sind.


Ihr seid mittlerweile seit einigen Jahren vor allem in und um Dortmund sehr bekannt und sorgt bei jeder Party immer für gute Stimmung und auch für einige Überraschungen. Wie kann man sich den Vibe eines klassichen Blockbuster Sets vorstellen?


Generell ist unsere Stärke wahrscheinlich das wir mit drei Selectern und einem energiegeladenen MC musikalisch breit aufgestellt sind. Es gibt auf jeden Fall klassische Blockbuster Sets die wir über Jahre ausgebaut und hier und da kultiviert haben. Die treuesten Besucher der Niceup können vermutlich ein Lied davon singen. Kärr nimmt als Selecta die ganze Bandbreite mit, die Reggae zu bieten hat. Dazu eventuell mal von eine oder zwei Reggaeton Songs zu early Dancehall und dann den neuesten Perlen die grade von der Insel kommen. Dabei gilt sein Fokus immer der Massive. Du kannst dich hinstellen und ne Stunde lang nur die neuesten Tunes zocken, aber wenn die Riddims nicht tanzbar sind und die Lieder keinen Wiedererkennungswert bei der Crowd haben, bleibt dein Floor leer. Wem das jetzt nicht real genug ist der sollte sich zurecht angesprochen fühlen. Auch wenn Kärr den Anspruch hat möglichst aktuell zu sein kann er dafür nicht den Floor opfern, simple as that. Tschäck hat als Plattensammler schon immer gerne querbeet gediggt und bringt dadurch noch eine andere Komponente abseits der ausgetretenen Pfade mit. Dann hat Washi dazu noch das richtige Händchen die dicksten Bassbretter zu finden die mit jedem erdenklichen globalen Sound die Erde beben lassen. So können wir uns untereinander super ergänzen und austauschen. Unser Ziel ist es generell immer mit der Crowd in eine Art Dialog zu kommen, wir pushen Sie und die Massive pusht uns. Dann lieber zum tausendsten Mal Serani aber der Floor kocht als 5 glückliche Reggaeheads und man hört die Grillen zirpen. Dabei liegt das Augenmerk mehr auf schwingenden Hüften und wackelnden Hintern als auf den Badman mit Gunfinger, die nur in der Ecke stehen und sich zu fein zum tanzen sind. Der Vibe den wir erzeugen ist ausgelassen, energiegeladen und lieblich. Sowieso haben wir schon vor vielen Jahren jeglichen Anspruch auf vermeintliche „Realness“ abgelegt und bezeichnen uns schon lange scherzhaft als „Unreal Tournament Champion“. Wir sind schließlich alle Jungs aus dem Ruhrgebiet und nicht aus Downtown Kingston. Deswegen probieren wir erst gar nicht auf original Jammi-Soundsystem zu machen. Es käme eher komisch rüber wenn Flag am Mikro gelerntes Patois sprechen würde oder man die deutschen Clubgänger immer mit Hardcore Juggling vom gewohnten Tanzen abhält. Da machen wir lieber andere Späße für die uns Reggaeheads vielleicht auch mal belächelt haben. Einfach mal Effekte auf der Bühne auspacken die man sonst eher von EDM oder Rockshows kennt wie zB CO2-Gun, riesige Luftballons, Pyro und Massen an Konfetti (wegen denen wir im U-Club auch schon mal ne Stunde fegen mussten nach der Show).


Neben dem Blockbuster Sound seid ihr dann auf die Idee gekommen das Tuk Tuk Soundmobil aufzubauen. Wie kommt man auf so eine besondere Idee? Und wie kann man sich da vor allem die Planungs- und Umsetzungsphase vorstellen?


Das TukTuk ist aus einem Brauch in Lünen entstanden, bei dem am 1.Mai ab 7 Uhr ca 10.000 Leute von verschiedenen Startpositionen an den Horstmarer See pilgern. Beim ersten Umzug, den man sich wie die Vatertagswanderungen vorstellen kann, hatten wir noch keinen eigenen Wagen und mussten uns den Schlager und Pop DJ`s hingeben. Das war so nicht akzeptabel, hat an unserer Ehre gekratzt und wir mussten natürlich einen draufsetzen. Dann kam im nächsten Jahr Kabel1 ins Spiel und wir haben den Wagen in kurzer Zeit aufgebaut. Zu der Zeit war Gefährt ein Glücksfund vom Schrottplatz ohne Antrieb. Die Umbauten waren hauptsächlich kosmetischer und praktischer Natur, zB damals noch mit Zapfanlage. Als uns später das Juicybeats Festival als mobilen Floor buchte, kam die Möglichkeit das ganze vernünftig umzusetzen. Aus purer Faulheit war klar das ein Motor eingebaut werden muss. Aus Umweltsicht war klar dass es ein Elektromotor werden sollte. Da der Umbau von Elektromobilen leider in Deutschland recht unbekanntes Gebiet ist mussten wir viel ausprobieren und basteln. So kamen wir schließlich dazu den Antriebsmotor einer E-Ameise zu recyclen und einzubauen. Die Soundanlage wurde über die Jahre immer größer. Da wir immer den Plan hatten ein „richtiges“ Soundsystem mit eigenen, selbstgebauten Boxentürmen zu sein gaben wir das Kaufen und Leihen von Lautsprechern vor einigen Jahren auf. Wir nutzten lieber jeden Zentimeter des TukTuks aus und schreinerten mit einem befreundeten Experten für Monsterbässe die Anlage für die man das Raumschiff mittlerweile kennt und liebt. So kamen es bei allen einzelnen Teilen immer wieder zu Umbauten und Verbesserungen. Die Planungs- und Umsetzungsphase ist also eher ein dauernder Prozess und bis heute immer noch nicht abgeschlossen. Die Resonanz der Leute, egal ob bei Partys, auf Festivals oder einfach von Schaulustigen beim Transport gibt immer wieder Antrieb einen draufzulegen.


Jetzt habt ihr mit dem DOJO in der Dortmunder Nordstadt ein weiteres Projekt ins Leben gerufen. Was hat es damit auf sich?


Zunächst ist das DOJO der neue Hafen des TukTuks. Die zentrale Lage in Dortmund ist perfekt um immer schnell für spontanen Schabernack einsatzbereit zu sein. Darüber hinaus können wir an diesem Ort endlich den Traum eines Freiraums ausleben. Der Name entstand durch die noch sichtbaren Überbleibsel einer Kampfsportschule die dort vor vielen Jahren ansässig war. Da das Objekt schon einige Zeit leer stand wurden wir uns dann mit dem Vermieter schnell einig und begannen mit der Renovierung. Aufgrund der großen Fläche war aber klar hier muss mehr passieren als nur unser Soundlagerbetrieb. Durch unsere Verbindungen zu der hiesigen Kunst- und Kulturszene entstand dann in Zusammenarbeit mit dem Künstler eins A©e die Idee einer Kunstausstellung. Diese würde auch eigentlich gerade laufen, wäre der Welt nicht eine Pandemie dazwischen gekommen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, die Wände werden bald bunt. Außerdem können wir uns aber auch andere Formate vorstellen um die Kunst- und Kulturszene zu pushen. Dabei sind uns wenig Grenzen gesetzt. Vom Vinyl Flohmarkt über Stand Up Comedy oder Lesung bis Untergrund Tischtennisliga ist alles möglich und jeder darf uns gerne kontaktieren, wenn er oder sie oder diverse ein Event planen. In der momentanen Situation haben wir vorherige Versuche was Live Streaming angeht ausgebaut und uns in den Letzten Wochen ein ganz ordentliches Internetfernsehstudio eingerichtet. Das ist natürlich eine willkommene Alternative für uns um den Leuten etwas Party nach Hause zu bringen. Wer sich im Streaming selbst ausprobieren möchte kann uns auch diesbezüglich gerne kontaktieren auf unserer Facebook Seite oder bei Instagram.


Ich muss da noch an Pandora 2.0 oder die Banana Clip Gang denken. In Dortmund scheint einiges zu gehen. Wie seht ihr das?


Langsam entstehen hier wieder einige interessante Projekte, das hat Dortmund aber auch bitter nötig. Grade die freie Kulturszene mit ihren Clubs und Orten der Subukultur wurde über Jahre von der Lokalpolitik vernachlässigt und teilweiße sogar aktiv behindert. Die unsinnige Sperrstunde, hohe Vergnügungssteuer und ausbleibende Unterstützung bei der Erschließung brachliegender Flächen sind nur einige Steine die kleinen Veranstaltern und Kulturinitiativen in den Weg gelegt werden. Aber da Kreativität ja oft am besten aus der Not geboren wird und auch die Stadt langsam umdenkt entwickelt sich mittlerweile wieder einiges. Da wäre zum Beispiel auch der Utopia Skatepark zu nennen, der von den Leuten der Skateinitiative mit viel Handarbeit und kleinem Budget die vergangenen zwei Jahre mitten in der City am Dortmund U gebaut wurde. Ein Ort, an dem verschiedenste Leute zusammen finden können und auch wir einige schöne Tage verbracht haben. Der gleiche Gedanke war der Antrieb für Pandora2.0, das Herzensprojekt unseres Freundes David Curtis, der auch in der TukTuk-Crew am Start ist. Auf einer ungenutzten Industriefläche entsteht aus Überseecontainern ein Raum für Kultur und Vorhaben wie zB Urban Gardening und anderes Handwerk. Die BananaClipGang ist ein guter Beweis dafür wie wichtig solche Räume sind, denn sie ist dort entstanden. Verschiedene befreundete DJs und Produzenten haben zusammen aufgelegt, sich ihre Sachen vorgespielt und als Konsequenz dieses Sideproject gegründet.


Ich kann mich noch gut an das Juicy Beats 2018 erinnern, als ihr mit eurem Tuk Tuk Floor ordentlich abgerissen habt. Ihr vermisst momentan bestimmt genauso wie viele anderen die ganzen Festivals & Partys. Wie geht’s nach Corona bei euch weiter? An Motivation und Kreativität wird es bei euch sicherlich nicht mangeln.


Richtig, Motivation izzda! Am ersten Tag an dem es wieder erlaubt und vertretbar ist werden wir auf jeden Fall direkt mit TukTuk am Kanal oder bei Pandora2.0 stehen und mit den Leuten feiern. Ansonsten stehen wir wie gesagt mit einigen Vorhaben im DOJO in den Startlöchern die wir hoffentlich bald umsetzen können. Für die weitere Zukunft hoffen wir erstmal das die eh schon arg gebeutelte Dortmunder Clubszene das alles einigermaßen übersteht. Stand jetzt weiß keiner wie stark es die Clubs noch trifft. Wir drücken natürlich alle Daumen das unsere geliebte Großmarktschänke heile durchkommt aber machen wir uns nichts vor, es wird für niemanden ein Zuckerschlecken. Trotzdem sind wir guter Hoffnung viele liebe und bekannte Gesichter auf einer Niceup begrüßen zu können. Wir haben uns immer gefragt was einer 100ten Niceup im Wege stehen könnte und hoffen nicht das so kurz vor der 90 die Antwort Covid 19 lauten wird. Unser Fokus gilt deshalb den Dingen die wir beeinflussen können, also Blockbuster, Tuktuk und Dojo. Dabei bündeln wir natürlich weiterhin alles zusammen in unseren regelmäßigen Streams auf Twitch (twitch.tv/dojostudio) und werden sobald es geht mit den Ausstellungen starten.

Danke an Blockbuster Sound für die interessanten Einblick!

Ich werde am Freitag, den 29.05 ab 19 Uhr ein Set auf dem TukTuk Soundmobil spielen. Einschalten lohnt sich! Das ganze läuft wie gewohnt unter twitch.tv/dojostudio