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Kurtis Flow (Interview)


Kurtis Flow

Deine Partyreihe „Goldene Zeiten“ feiert am 7.12. 8 jähriges Bestehen in der Rotunde. Doch lass uns erst mal die Zeit zurück drehen, da du schon seit vielen Jahren Parties veranstaltest und auch selbst auflegst. Wie entstand deine Leidenschaft zur Musik und welche nennenswerten Faktoren gab es damals für dich?

Ich erinnere mich, dass ich mich damals als kleiner Junge vor mein Radio gesetzt habe und die ersten zwei drei Takte eines Songs auf Kassetten bespielte, ohne zu wissen was für ein Song das war. Wenn er mir gefiel habe ich dann schnell auf record gedrückt. Also lange vor den heutigen Download Möglichkeiten und der gleichen. Damals hatte das noch wenig mit Hip Hop zu tun. Da stand ich eher auf Rock- und Gitarrenmusik, was eine relativ kurze Phase war. Mit 12 Jahren habe ich mich dann mit der ganzen Hip Hop Kultur befasst. Ich bin damals eigentlich durch Graffiti an Hip Hop gekommen und habe alles aufgesogen was damit so zusammenhing. Das vier Elemente Package sozusagen, was damals noch etwas klassischer beziehungsweise enger miteinander zusammenhing. Die erste Platte die ich mir gekauft habe war auch tatsächlich in 1993 eine Deutschrap Vinyl. Musikalisch haben mich da unter anderem Torch, Absoulte Beginner, Cora E und dann auch schnell der Ami Rap, wie Jeru the Damaja, Gang Starr, KRS One und Pete Rock sehr geflashed.

Wie würdest du den Vibe einer typischen Goldene Zeiten beschreiben. Was macht diese Party für dich so besonders? Es sind seit dem Kick Off ja immer hin schon 8 Jahre her.


Für mich persönlich sind da zwei Dinge ausschlaggebend. Zum einem, dass das die Musik ist mit der ich aufgewachsen bin, die tatsächlich heute immer noch auch teilweise 15 Jahre jüngere Leute begeistert, das finde ich geil. Auch wenn sich das Soundbild im Laufe der Jahre vielleicht ein bisschen verändert hat. Wir spielen da jetzt auch nicht ausschließlich 90er oder noch älteren Hip Hop, sondern auch moderne Sachen, die aber im Prinzip klingen als wären sie aus der damaligen Zeit. Zum Beispiel aktuelle SSIO Songs. Der ist grade einer meiner Favoriten in Sachen Deutschrap, was auch die Produktionen angeht. So was hätte auch in den 90ern produziert werden können, finde ich. Also einmal, dass es dieses klassiche Hip Hop Ding gibt, was heutzutage in den Clubs immer seltener stattfindet. Soweit ich das verfolge gibt es in Deutschland nicht mehr viele Parties, die solch einen Sound spielen. Wenn, dann sind das in der Regel Partyreihen, die das schon über viele Jahre machen aber ansonsten kriegst du in keinem Club ohne weiteres so eine 90er Hip Hop Party. Vielleicht abseits von einer 90er RnB Party, so was klappt natürlich auch heute noch. Wenn du dich dann auf Mary J. Blidge, Dr Dre und Snoop Dogg beschränkst, sag ich mal. Es ist einfach selten geworden. Deswegen ist das für mich schön, so was am Wochenende im Club spielen zu dürfen und hören zu können und nicht wenn ich auf eine Hip Hop Party gehe ausschließlich Trap oder Afrotrap hören muss. Der zweite Punkt am Vibe der „Goldene Zeiten“ ist, dass das Publikum sehr cool ist. Der Altersdurchschnitt ist beispielsweise einfach höher als auf einer Trap Party. Dementsprechend sind die Leute vom Typ her entspannter. Es gibt weniger „Auf dicke Hose machen“, sondern eher ein entspanntes miteinander feiern. Auch für Frauen ist es ein angenehmeres Volk, würde ich sagen. Sie werden nicht so belagert und es ist halt eher ein miteinander Feiern als so ein „Ich posiere heute, zeige dass ich der coolste bin und wir gehen mit unserer Jungs Gang raus und graben alle Frauen an.“. Der Fokus liegt halt auf der Musik, die auch weniger aggressiv und mehr erdiger ist als auf einer durchschnittlichen Hip Hop Party. Es ist halt einfach alles ein bisschen, wie in der Zeit hängen geblieben. (lacht) Wir spielen auch mal zwischendurch einen Block an Funkmusik und die Leute feiern es und sagen nicht „Was ist das denn? Kennen wir nicht.“


Gab es bei den ganzen Parties für dich sehr prägende Momente? Ganz besondere Bookings und der gleichen?

Die gab es auf jeden Fall. Ich hoffe, dass ich einige davon jetzt so spontan zusammen kriege. Stark prägende Momenten waren auf jeden Fall immer für mich dann, wenn ich zum ersten Mal Künstler gebucht habe. In der Regel waren das dann Live Acts, die ich als Jugendlicher gehört und gefeiert habe. Die ersten die ich da so mit 17 und 18 schon mega abgefeiert habe waren Creutzfeld & Jakob und die haben wir schon vor 10 Jahren das erste Mal geholt. Damals noch im Team mit ein paar anderen Leuten zusammen und noch nicht unter „Goldene Zeiten“. Aber das war so einer der prägenden Momente. Das schöne ist auch bei den ganzen Live Acts, dass ich mich an keinen größeren erinnern kann, der dann scheiße war oder mich enttäuscht hat. Die waren alle sehr zutrauliche und angenehme Gäste.

Die Goldene Zeiten steht ganz im Zeichen des 90s Hip Hop. Dazu veranstaltest du noch unter anderem die regelmäßigen Parties der „Welcome 2 Jamrock“ und „Booty Bass“. In welches Spektrum würdest du diese beiden kategorisieren und was kann man sich unter den Parties vorstellen?

Ich würde sagen, dass die Welcome 2 Jamrock ein bisschen das Gegenstück zur Goldene Zeiten im Bereich Reggae und Dancehall ist. Die war auch schon ein bisschen das Vorbild des Konzepts. Da ich schon sehr gelangweilt war, wenn ich in den letzten Jahren mal auf einem Reggae Festival oder einer Party war und egal in welcher Stadt überall die gleichen Songs liefen. Also die DJs gefühlt aus dem Musikpool von 300 Songs den Abend bestritten haben. Da habe ich etwas den Vibe der Parties mit denen ich Mitte bis Ende der 90er zum Beispiel mit Small Axe, David Rodigan und Top Frankin aufgewachsen bin vermisst. Ich hatte einfach Lust diesen Vibe von damals zurück zu holen. Auch bei der Welcome 2 Jamrock gilt, wir spielen viel 90er Dancehall und Early Digital. Es gibt aber auch heute wieder viele Produktionen, die in das Klangbild von damals reinpassen. Das heißt es dürfen auch aktuelle Songs sein, die aber jetzt vielleicht nicht nach Major Lazer oder EDM klingen sondern, auch eher einen klassischen Sound haben. Reggae hat heutzutage immer noch einen geilen Vibe, so dass die aktuellen Neo Roots Geschichten super in das Konzept passen. Ja, das war im Grunde so die Idee den alten Vibe der Dancehall Parties zurück zu bringen und es funktioniert ganz gut. Mir fällt auch spontan keine andere Party ein die so in diese Kerbe schlägt. Deswegen ist es wahrscheinlich so ein geiles Nischenprodukt was funktioniert.

Irie Fire (Canchoz & Kurtis Flow) w/ David Rodigan @ Welcome 2 Jamrock

Die Booty Bass ist ursprünglich aus der Dubstep Partyreihe „Dubl Trouble“, die wir früher gemacht haben entstanden. Als es mit Dubstep dann zumindest bis auf ganz wenige Ausnahmen im Clubkontext in Deutschland zu Ende ging und bei uns persönlich auch dann mit den ersten Trapbeats unser Interesse bei den 70 BPM Produktionen Richtung Trap verlagerte, wurde dann aus der Dubl Trouble die Booty Bass. Ursprünglich mit Fokus auf Trap Musik habe ich das Konzept als Mad Green sich aus dem Veranstaltungsgeschäft raus gezogen hat immer mehr musikalisch geöffnet. Mit dem Oberbegriff Booty Bass war da dann auch der Name Programm. Ein bisschen Moombathon, Dancehall und alles was da so drumherum geschieht. Heute würde ich fast sagen ist es eine moderne Hip Hop- oder RnB Party. Aber auf cool. (lacht) Wo dann halt echt eine clubtaugliche Musik gespielt wird und es im Gegensatz zur Welcome 2 Jamrock und Goldene Zeiten eine sehr moderne Partyreihe ist. Trotzdem mit dem Anspruch neben den Hits, die jeder in seiner Spotify Playlist hat, ein paar schöne Songs einzubauen, die vielleicht nicht jeder kennt aber einfach geil sind und der DJ Lust hat die unter das Volk zu bringen.


Die Geburtstagsparty am 7.12. kann man ja eigentlich schon als kleines Festival bezeichnen. Magst du zum Abschluss noch ein bisschen was über die anstehenden Feierlichkeiten erzählen?

Ja, es ist sozusagen eine kleine Hip Hop Jam. Wie eben gesagt, ich bin durch das vier Elemente Paket zum Hip Hop gekommen. Mir ist es wichtig, dass diese Elemente nochmal zusammen kommen und man nicht einfach nur eine ganz banale Party macht, Deko aufbaut und einen Live Act hinstellt. Sondern man darüber hinaus noch B-Boys oder Writer die draußen vor der Tür malen am Start hat oder man Graffiti Videos zeigt, eine Beat- oder Open Mic-Cypher macht und so weiter. Diese Dinge machen einen Abend komplett. So wie es damals halt auf Hip Hop Jams war. So was erlebt ich heute nicht mehr so oft, da es meist ja nur einfache Konzerte sind. So einen Abend zu veranstalten macht mir heute noch besonders Spaß und genau das findet dann bei der 8 Jahre Goldene Zeiten Party statt. Wir haben an dem Abend einige Live Acts, wie zum Beispiel Dexter von den Betty Ford Boys, SBK Basement, Jokaz & Schrottboykott und viele mehr. Einen 2. Floor wird es geben. Shout out Booty Bass! Es wird einen Writer geben, dem man im Biergarten über die Schulter gucken kann. Um 22 Uhr gibt’s zu dem eine Beat Cypher und man kann in einer Ecke auf einer großen Leinwand ein bisschen Super Nintendo mit seinen Freunden zocken. Und ja, das eine oder andere Special wird es sicherlich noch geben. Es wird definitiv ein Familientreffen. Es kommen sämtliche DJs der letzten Jahre zusammen. Dieses mal mit der Rotunde als alternativ Location neben dem Monats Date an jedem 1. Samstag in der Trompete. Da es einfach was besonderes ist und wir mehr Platz brauchen. Es ist aber auch ein bisschen, wie ein zu den Wurzeln zurückkehren, da die Goldene Zeiten vor der Schließung und Wiedereröffnung der Rotunde einige Jahre dort war und es für viele Gäste, die vielleicht mittlerweile nicht mehr feiern gehen aber damals in der Rotunde gerne zur Party gekommen sind und für die das wieder ein zurückkommen zur einer der älteren Locations und zum alten Vibe ist. Ich freue mich auf den Abend!